Jugendalter

01. Juni 2017 J 0

Jugendalter (adolescence; youth), Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, vom zweiten Gestaltwandel bis zur Körpervollreife (→Maturität), vom ökonomisch abhängigen und autoritätsbezogenen Kind zur zunehmend selbstständigen Persönlichkeit, gekennzeichnet durch Geschlechtsdifferenzierung (→Geschlechtsdimorphismus) sowie „Umstrukturierung motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten.“ (Meinel & Schnabel, 2004). Nach deutschem Recht ist Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist (§1, Abs.2, JGG).

Im langfristigen Leistungsaufbau des Schwimmers betrifft das Jugendalter die letzten Jahre des Aufbautrainings und das Anschlusstraining. Talentierte oder frühreife Schwimmer, besonders Schwimmerinnen, erreichen mit ihren Leistungen bereits das Hochleistungstraining. Mit Abschluss der Pubertät ist eine deutliche Belastungssteigerung möglich, insbesondere durch die Zunahme der Belastungsintensität (→Kraft, →anaerobe Ausdauer) als auch spezifischer Belastungsformen (→Hauptschwimmart, →spezifische Kraft, →wettkampfspezifische Ausdauer).  Die sexuelle Reifung, das damit wachsende Interesse am anderen Geschlecht, die anstehende Berufswahl, veränderte Werthaltungen und besonders die Doppelbelastung von Schule und Sport führen zu einer Reihe von Konflikten, die in diesem Altersbereich die Dropoutrate ansteigen lassen. Systematisch betriebener Sport erhöht das „Vertrauen in die eigene Kompetenz, das Gefühl der Kontrollierbarkeit, das Sich-Wohlfühlen und das Gefühl der Aktiviertheit, das sich auch auf andere Bereiche auswirkt und somit dazu beiträgt, dass die Jugendlichen ihre Entwicklungsaufgaben besser bewältigen“ (Conzelmann & Gabler, 2001). Gegenüber zunehmender Jugendgewalt, bietet der Sportverein (→Verein) Modelle des sozialen Lernens und Zusammenlebens. Der Trainer kann durch eine einfühlsame, individuelle und vertrauensvolle Arbeit dem jugendlichen Sportler bei der „Suche nach seiner Identität“ behilflich sein.

Exkurs: Die zunehmende Verbreitung der Ganztagsbetreuung und die Einführung der verkürzten Gymnasialzeit auf acht Schuljahre (Gymnasium G8) führen dazu, dass Heranwachsende immer mehr Zeit in Bildungseinrichtungen verbringen, sich dort aber immer weniger ihrem Alter entsprechend bewegen. Die veränderten, politisch gewollten Rahmenbedingungen im Erziehungs- und Bildungswesen machen es daher nötig, Spiel und Sport verstärkt in den Tagesabläufen institutioneller Einrichtungen zu verankern. Die althergebrachte Trennung „hie Vereinssport – da Schulsport“ löst sich zusehends auf; Vereine und Schulen sind aufgefordert, ihre wechselseitigen Beziehungen neu zu strukturieren. Waren in der Vergangenheit vor allem Schule und Verein Sportzentren für Heranwachsende, so haben Jugendliche heute die Auswahl aus einer sich ständig erweiternden Vielfalt des Sportangebots durch neue Sportarten, kommerzielle Sporteinrichtungen, informelle Sportsettings oder den rasant wachsenden Bereich des Trendsports.“ (Auszug aus dem 3. Deutschen Kinder- und Jugendportbericht; http://www.dosb.de/de/jugendsport/jugend-news/detail/news/kinder_und_jugendsport_im_umbruch/, Zugriff am 20.07.2016)

Mehr zum Thema: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/EntwicklungsaufgabeJugend.shtml – Zugriff 23.10.2019

 „Die Jugend ist etwas Wundervolles. Es ist eine wahre Schande, dass man sie an Kinder vergeudet.“ George Bernard Shaw  (1856-1950), irischer Schriftsteller


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.