Kraft, spezifische

03. Oktober 2020 K 0

Kraft, spezifische (strength, specific), Kraft der an einer bestimmten sportlichen Bewegung beteiligten Muskelgruppen, deren zielgerichtete Ausbildung meist dem Hochleistungstraining vorbehalten bleibt.

Im Schwimmen betrifft das vor allem die Muskelgruppen, die den Armzug und den Beinschlag/-stoß realisieren (auch: schwimmspezifische Kraft). Zwischen spezifischer Kraft und Schwimmgeschwindigkeit besteht ein gesicherter Zusammenhang (u.a.Johnson, Sharp & Hedrick, 1993; Bradshaw & Hoyle, 1993; Strass 1988, Costill 1999, Rudolph 2005, Collin 2010, Morouc’o 2011, Silva et al. 2014, Gromisz 2020, Sadowski 2020), der bereits bei Kindern nachgewiesen wurde (Kupper & Jüling 1967, Taylor et al. 2003). Die spezifische Kraft wird an Kraftarmzuggeräten an Land und mit dem „Schwimmkraft-Trainings- und Mess-System “ (bei Fahnemann) im Wasser direkt und am Schwimmwiderstandsgerät indirekt gemessen. Zum Training der spezifischen Kraft können ferner spezielle Latex –Zugseile („Strechcordz“) verwendet werden. Spezifisches Krafttraining zielt vor allem auf die Verbesserung der kontraktilen, oxydativen und elastischen Eigenschaften der Hauptmuskelgruppen und letztlich auf optimierte Umsetzung der Schwimmtechnik durch Kraftzuwachs (Witt, 2003). Da die Schwimmbewegung an Land nicht vollends imitiert werden kann, wird auch von „semispezifischer Kraft“ gesprochen (s. Exkurs). Beim Armzugtraining an der Schwimmbank waren Kraft- und Geschwindigkeitsmuster anders als beim freien Schwimmen oder an anderen Krafttrainingsgeräten (Daniel & Klauck, 1999). Deshalb sollten unterschiedliche Krafttrainingsgeräte gebraucht werden, um einen „schwimmfremden“ Bewegungsstereotyp zu vermeiden. Mit den Mitteln des spezifischen Krafttrainings können das Gesamtsystem (Schwimmwiderstandsgerät, →Schwimmen am Gummi, Widerstandshose, mit Fallschirm) und Teilsysteme (Paddles, →Flossen) angesprochen werden.

Korrelation verschiedener Parameter der spezifischen Kraft bei männlichen Kaderschwimmern (Rudolph, 2004)

                                                                                                                                                        Kraftformen des Schwimmtrainings (nach Witt, 2009)

Exkurs: Zum spezifischen Krafttraining des Schwimmers gibt es konträre Auffassungen. Einige Wissenschaftler beurteilen besonders kritisch das Training an isokinetischen Schwimmbänken, da wegen der fehlenden Übereinstimmung biomechanischer und physiologischer Faktoren keine spezifischen Arbeitsbedingungen möglich seien (Hilgner-Recht & Wirth, 2010, S.25). Leider ist diese kritische Haltung zur Zugbank (und damit zum spezifischen Kraftausdauertraining an Land) von Wirth mit in den „RTP-Kraft des DSV“ übernommen worden. Diese Auffassung steht aber im Widerspruch zu den Erkenntnissen von Wissenschaftlern des IAT (u.a. Witt, 2008) und Erfahrungen aus der Trainingspraxis mit hochrangigen Eliteschwimmern (u.a. Rudolph, 2007; Böller, 2007).

Mehr zum Thema:

  • Böller, R.(2007). Kraft- und Schnelligkeitstraining von Schwimmerinnen und Schwimmern. DSTV-Reihe, Bd.27, 115-127
  • Rudolph, K. (2007). Kombiniertes Training von Kraftbank und Strömungskanal. DSTV-Reihe, Bd.27, 106-114
  • Witt, M. (2014). Krafttraining des Schwimmers. In: Rudolph et al. Wege zum Topschwimmer. Hofmann-Schorndorf, 156-173
  • McLeod (2010) stellt in seinem Buch „Schwimmen Anatomie“ 74 Übungen vor, die weitgehend den typischen Teilbewegungen im Schwimmen entsprechen oder ihnen von ihrer Struktur sehr nahekommen. Es wird dargestellt, welche Muskeln in welcher Phase der Schwimmbewegung in einer der vier Schwimmlagen Beiträge zum Vortrieb leisten und die jeweilige Übung in der beabsichtigten Wirkung im schwimmtypischen Kontext erklärt (München: Copress Sport, 2010).

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.