Start

01. August 2017 St 0

Start (start), Beginn einer Aktion, auch Bezeichnung für den Ort, wo gestartet wird. Im Sport Beginn eines Wettkampfes und damit der Zeitnahme.

Im Beckenschwimmen wird in der Regel vom Startblock oder der Beckenwand (Rückenschwimmen und Lagenstaffel), im Freiwasserschwimmen aus dem Wasser oder von einem Ponton gestartet. Der Start wird durch die Wettkampfbestimmungen im Schwimmen reglementiert und hebt sich als azyklische Bewegung von der zyklischen Schwimmbewegung ab. Ein nicht regelkonformer Start wird als Fehlstart bezeichnet.

Historie: Zunächst wurde aus dem Wasser gestartet, da Startvorrichtungen fehlten. Der DSV führte erst 1912 in allen Schwimmlagen den Start mit Startsprung ein. Ab 1924 starten die Rückenschwimmer aus dem Wasser (→Rückenstart). Im Laufe der Jahre wurde die Starttechnik stark modifiziert und es haben sich verschiedene Startvarianten entwickelt. Im Wettkampfschwimmen haben sich die Tiefstartvarianten (Parallelstart, Schrittstart) etabliert. Als jüngste Entwicklung hat sich die Delfinbeinbewegung in der Übergangsphase als leistungsbestimmende Größe erwiesen. Die Hochstartvarianten (→Armkreis-, Armschwungstart) werden inzwischen nur noch beim Staffelwechsel genutzt. Da hier nicht aus der Ruhe heraus gestartet werden muss, kann durch die Schwungbewegung eine größere Beschleunigung erreicht werden.

Start um 1900 (GMÜNDER 2000)

 

Wettkampfbestimmungen (DSV, Stand: 2017): Die Schwimmer werden vom Schiedsrichter durch mehrere kurze Pfiffe aufgefordert, sich auf den Start. vorzubereiten. Nach einem langen Pfiff begeben sich die Schwimmer unverzüglich auf den Startblock oder in das Wasser (Rückenschwimmen), nach einem weiteren Pfiff nehmen sie unverzüglich die Startposition ein. Seit 2016 wird für Rückenschwimmen der Einsatz einer Rückenstarthilfe genehmigt. Ist die Startposition wettkampfgerecht eingenommen, übergibt der Schiedsrichter die weitere Startabfolge an den Starter, der mit dem Kommando „Auf die Plätze“ die Schwimmer auffordert, die Starthaltung einzunehmen und das Startsignal gibt, wenn sich alle Schwimmer ruhig verhalten. Der Veranstalter eines Wettkampfes legt in der Ausschreibung fest, ob die Wettkämpfe nach der Ein- oder Zwei-Startregel ausgetragen werden. Mehrheitlich wird inzwischen die Einstartregel angewendet, d.h. der erste Start zählt. Schiedsrichter und Starter entscheiden, ob der Start einwandfrei ist oder ein Fehlstart vorliegt. Bei einem Start vor dem Signal wird bei der Ein-Start-Regel der zu früh startende Schwimmer nach Beendigung des Wettkampfes disqualifiziert. Bei der Zwei-Start-Regel werden bei dem ersten Fehlstart die Schwimmer zurückgerufen. Im Freistil-, Schmetterlings– und Rückenschwimmen darf der Schwimmer nach dem Start nicht mehr als 15m völlig untergetaucht schwimmen (§ 126, 127,129 WB). Im Brustschwimmen ist es erlaubt, nach dem Start einen vollständigen Bewegungszyklus unter Wasser auszuführen, ohne mit dem Kopf die Wasseroberfläche durchbrochen zu haben. Dabei darf ein voller Armzug bis zu den Oberschenkeln ( Tauchzug) und ein Delfinbeinschlag ausgeführt werden (§ 125 WB).

 

Technik/Ziel: Der Startsprung sollte möglichst schnell ausgeführt werden, um die Schwimmbewegung mit einer hohen Geschwindigkeit einzuleiten. Die beim Absprung erzielte horizontale Absprunggeschwindigkeit ist bei einer optimalen Ausführung deutlich höher als die anschließende Schwimmgeschwindigkeit. Während die Geschwindigkeit in der Flugphase beim Start vom Block unverändert bleibt, ist beim folgenden Eintauchen der Geschwindigkeitsverlust zu minimieren. Eine widerstandsarme Körperhaltung sowie eine antriebswirksame Gestaltung der Unterwasserphase und des Überganges in die Schwimmbewegung führen zu einer hohen Anfangsgeschwindigkeit im Schwimmen. Im Wettkampf spielt daher der Start eine entscheidende Rolle, hier besonders bei den kürzeren Wettkampfstrecken.

Startvarianten (modifiziert nach Dietze & Saborowski, 2004)

 

Technik/Phaseneinteilung: Der Startabschnitt (Bereich bis zum Kopfdurchgang bei 15m (Cossor & Mason 2001, Wettkampfanalyse ddes DSV) wird als komplexe azyklische Bewegung in einzelne Phasen unterteilt: Ausgangsstellung, Auftakt, Absprung, Flug, Eintauchphase, Unterwasserphase und Übergang.

Als Ausgangsstellung wird die Körperposition zum Zeitpunkt des Startsignals bezeichnet. Zur Beschreibung dieser Position werden Körperwinkel, wie z.B. Hüft- und Kniewinkel erfasst. Der anschließende Auftakt ist als Bewegung von der ersten Reaktion auf das Startsignal bis zum Lösen der Hände vom Block definiert. Die Reaktionszeit ist ein gutes Indiz für eine schnelle Durchführung der Auftaktbewegung. Der Absprung beginnt mit dem Lösen der Hände vom Startblock bis zu dessen Verlassen bzw. der Beckenwand mit den Füßen. Die Blockzeit, die Absprunggeschwindigkeit (horizontal, vertikal) und der Absprungwinkel geben weitere wichtige Informationen zur Bewegungsausführung. Nach dem Absprung folgt die Flugphase, welche die Bewegung vom Verlassen der Füße vom Block/der Beckenwand bis zur ersten Wasserberührung beschreibt. Hier werden die Flugzeit (= Zeitintervall vom Lösen der Füße bis zum Eintauchen des Körperschwerpunktes), die Flugweite des Körperschwerpunktes und Körper- sowie Eintauchwinkel gemessen. Das anschließende Eintauchen umfasst die Bewegung von der ersten Wasserberührung bis zum vollständigen Eintauchen des Körpers. Körper- und Eintauchwinkel beschreiben diese Positionen. Die Unterwasserphase erstreckt sich vom vollständigen Eintauchen des Körpers bis zum Kopfdurchgang bei 7,5m. Die Zeit vom Startsignal bis zum Kopfdurchgang bei 7,5m und die Zeit vom Eintauchen des Körperschwerpunktes bis zum Kopfdurchgang bei 7,5m dienen hier als Messwerte. Der Übergang schließt sich als Bewegung vom Kopfdurchgang bei 7,5m bis zum Übergang in die zyklische Schwimmbewegung bzw. bis zum Kopfdurchgang bei 15m an. Hier werden die Zeit vom Startsignal bis zum Kopfdurchgang bei 15m, die Zeit von den Kopfdurchgängen bei 7,5m und 15m sowie der Auftauchpunkt erfasst.

In der folgenden Bewegungsbeschreibung wird ausführlich auf den Start vom Startblock eingegangen (Hinweise zum →Rückenstart s. dort). Um auch den Technikvarianten gerecht zu werden, werden hier je Phase nur die grundlegenden Bewegungen beschrieben und auf Unterschiede in den einzelnen Technikvarianten hingewiesen (Text und Bilder von Petra Wolfram, ehemals OSP-Hamburg). →Starttraining

Ausgangsstellung:

Die Körperposition, die vor dem Startsignal eingenommen wird soll einen festen und sicheren Stand auf dem Block ermöglichen. Mindestens ein Fuß steht dabei an der Startblockvorderkante, der Oberkörper ist vorgebeugt und die Hände greifen um die Blockkante (Tiefstart) oder befinden sich an der Rumpfseite bzw. vor dem Körper (Hochstart). Die Ausgangsstellung bietet die Möglichkeit, eine Auftaktbewegung für eine Vorverlagerung des Körperschwerpunktes schnell einzuleiten. Beim Parallelstart wird eine parallele Fußposition eingenommen, die Knie- und Fußgelenke sind gebeugt und die Schultern befinden sich vor der Startblockkante. Beim Schrittstart befindet sich das Sprungbein an der Blockvorderkante, das Schwungbein wird auf dem Block nach hinten gestellt. Der Kniewinkel (ca. 90 Grad) ist hier kleiner als beim Parallelstart, die Schultern befinden sich entweder hinter oder vor der Startblockkante. (Bilder von Petra Wolfram, OSP-Hamburg)

Auftakt:

Aus dieser Position wird nach dem Startsignal der Körperschwerpunkt mit Hilfe einer aktiven Auftaktbewegung schnell nach vorn beschleunigt. Als Auftaktbewegung dient ein Armzug an der Startblockkante (Schritt-, Parallelstart) oder ein Schwungholen der Arme (Armkreis-, Armschwungstart). Für den Armzug werden die Ellenbogengelenke gebeugt und die Schulter nach vorn, unten geführt. Damit wird der Rumpf nach vorn verlagert und gleichzeitig abgesenkt. Beim Parallelstart werden die Knie gebeugt und die Fersen angehoben. Beim Schrittstart werden die Knie- und Fußgelenke des Standbeines gebeugt und die Knie- und Fußgelenke des Schwungbeines gestreckt. Der Absprung wird somit vorbereitet.

Absprung:

Mit der Vorverlagerung und Absenkung des Rumpfes auf dem Startblock beginnt der Absprung mit einem aktiven Armschwung nach vorn, einer aktiven Körperstreckung in Fuß-, Knie– und Hüftgelenke und einem Schwungbeineinsatz (aufwärts gerichtete Bewegung) beim Schrittstart. Der Körper wird maximal in Schwimmrichtung beschleunigt und der Absprung leitet die Flugbahn ein. Der Absprungwinkel ist je nach Variante in der Flugphase unterschiedlich groß, beim Hockstart wird in der Regel der größte, beim Streckstart der kleinste Absprungwinkel gemessen. Um eine große horizontale Absprunggeschwindigkeit zu erreichen, sollten Absprungwinkel von 20-30° realisiert werden.

 Flug:

Während der Flugphase wird das Eintauchen optimal vorbereitet, um den hier auftretenden Widerstand zu minimieren. Aus diesem Grund haben sich drei verschiedene Varianten in der Gestaltung der Flugphase entwickelt: Beim Hockstart werden im Flug die Beine angehockt und vor dem Eintauchen wieder gestreckt. Der Bückstart ist nach der eingenommenen leicht gebückten Körperhaltung (Hüftwinkel ca. 135 Grad) im Flug benannt. Der Schrittstart zeichnet sich durch eine gestreckte Körperhaltung in der Flugphase aus. Bei allen drei Varianten werden die Arme während der Flugphase direkt nach vorn geführt, bis zur Streckung in Verlängerung des Rumpfes. Der Kopf befindet sich zwischen den Armen. Beim Eintauchen unterscheiden sich die drei Varianten im Eintauchwinkel: Beim Streckstart wird ein nur kleiner Eintauchwinkel erreicht, d.h. das Eintauchen erfolgt relativ flach. Beim Hockstart werden in der Regel die größten Eintauchwinkel erzielt, d.h. das Eintauchen erfolgt tief.

Eintauchen (→Eintauchphase):

Allen Varianten gleich ist eine widerstandsarme Körperposition beim Eintauchen, um den Geschwindigkeitsverlust zu minimieren. Der Kopf befindet sich zwischen den gestreckten Armen und die Körperspannung wird während des gesamten Eintauchens aufrechterhalten. Nach dem Eintauchen von Kopf und Armen leiten diese unter Wasser die Richtungsumlenkung in horizontaler Richtung ein. Mit dem Eintauchen der Schulter wird aktiv die Hüfte überstreckt, um das Eintauchloch mit Hilfe dieser Bogenspannung zu minimieren. Mit dem gleichen Ziel wird beim Eintauchen der Hüfte leicht im Kniegelenk gebeugt. Zum Ende der Eintauchphase wird ein aktiver abwärts gerichteter Kick durch die Streckung in den Kniegelenken ausgeführt.

Unterwasserphase:

Nach dem Eintauchen wird die Unterwasserphase in den Wechselschlagschwimmarten sowie im Delfinschwimmen durch eine effektive und kraftvolle Delfinbewegung gestaltet, Im Brustschwimmen wird im Unterwasserbereich nach einer Gleitphase mit völliger Körperstreckung ein Tauchzug mit einem Delfinkick (Delfinbewegung) entweder zu Beginn des Armzuges oder während der Druckphase ausgeführt. Ziel der Bewegung im Unterwasserbereich ist es, ein hohes Geschwindigkeitsniveau aufrecht zu halten. Eine widerstandsarme Körperhaltung ist hierfür Voraussetzung (gestreckte Arme in Verlängerung des Rumpfes, Kopf zwischen den Armen, Ganzkörperstreckung).

Übergang:

Der Übergang in die zyklische Schwimmbewegung erfolgt fließend und unter Beibehaltung der Geschwindigkeit. Der Zeitpunkt des Überganges in die Schwimmbewegung sollte gut abgestimmt sein mit der Effektivität der Antriebsbewegung in der Unterwasserphase. Der Kopf durchbricht im Delfin- und Freistilschwimmen die Wasseroberfläche am Ende des ersten Unterwasserarmzugs, beim Brustschwimmen während des Unterwasserzuges, konkret bevor die Arme einwärts bewegt werden (→ Wettkampfbestimmungen).

Exkurs: Die Starttechnik veränderte sich auch mit neuen Startblöcken. So wurde nach den Olympischen Spielen mit Einführung des Omega OSB11 Startblocks eine andere Starttechnik, der so genannte „Kick-Start“ (Schrittstart), entwickelt und von den meisten Elite-Schwimmern während des Wettkampfs genutzt (Tor et al. 2014, Graumnitz 2015),.

Mehr zum Thema: – Graumnitz, J. (2015). Der Start im Schwimmen. DSTV-Reihe, Bd.37, S. 21-46

– Fischer & Kibele (Hrsg,) (2017).Contemporary swim start research (Zeitgenössische Schwimmstart Forschung). Maidenhead: Meyer & Meyer.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=9Gh5uktnUbc


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.