Stufentest

02. August 2017 St 0

Stufentest (Steptest), Test mit stufenförmig ansteigender Belastung, der im Rahmen allgemeiner Gesundheitsuntersuchungen zumeist auf dem Fahrradergometer (mit EKG-Ableitung) oder zur Diagnose der spezifischen Ausdauer im Wasser (Feldtest) durchgeführt wird. Der Name ist historisch bedingt, da in den Anfängern der Ergometrie eine Einfach- oder Doppelstufe mit verstellbarer Höhe und bestimmter Geschwindigkeit innerhalb von 3-6 min bestiegen wurde.

Im Schwimmen sind der  Senkentest nach BRAUMANN, der SIMON-Test und der PANSOLD-Test bekannt. Letzterer hat sich in der komplexen Leistungsdiagnostik des DSV durchgesetzt. Wenn nur mit dem Parameter Puls gearbeitet werden kann, dann kann auch der CONCONI-Test durchgeführt werden. Die mit den Stufen ermittelten Schwimmgeschwindigkeiten und Laktatwerte werden auf eine mathematisch berechnete Kurve (→ Laktat-Leistungskurve) übertragen. Je mehr Stufen geschwommen werden, so gesicherter sind der Kurvenverlauf und damit die davon abgeleiteten Prognosewerte zur Trainingssteuerung. Mit dem Stufentest soll die ganze Bandbreite des Ausdauertrainings bis zur Ausbelastung (vita-maxima-Belastung) erfasst werden. Der Wert des Stufentests erschließt sich besonders aus der Längsschnittbetrachtung, mit der die Wirksamkeit des Ausdauertrainings eingeschätzt werden kann. Die zahlreichen bei Stufentests entwickelten Verfahren zur Bestimmung der individuellen Schwelle unterscheiden sich zumeist nur im Fehlerbereich des Parameters Laktat. Individuell angepasste Schwellen bieten angesichts der Einwände kaum Vorteile, entscheidend ist in der Trainingssteuerung die praktische Erfahrung (MAREES 1992). Der Stufentest kann einmal zur Bestimmung des GA-Niveaus über 200/400m Freistil geschwommen werden und dann noch im Distanzbereich der Hauptschwimmart (z.B. 100m Schmetterling). Im Interesse eines aussagekräftigen Längsschnittvergleichs sollte der Test immer im gleichen Abstand zu den Hauptwettkämpfen und mindestens einmal pro Makrozyklus durchgeführt werden. Popov schwamm z.B. in einer vierwöchigen Trainingsperiode drei Tests, den ersten nach 10 Tagen Ausdauertraining, den zweiten, nach 20 Tagen Ausdauertraining und den dritten nach 7 Wettkampftagen (Touretzki & Pyne 1993).

 

Exkurs: Seit Mader (1976) wurden zahlreiche Schwellenkonzepte entwickelt, die auf dem Grundprinzip des Stufentests beruhen, sich aber in den Belastungskomponenten (Stufenanzahl und -dauer, Spezifität usw.) teilweise unterscheiden. Heck (1990) kommt nach einem Vergleich dieser Konzepte zu dem Ergebnis, „dass die individuell-aeroben Schwellen das maximale Laktat-steady-state nicht besser abschätzen als die fixe 4-mmol/l-Schwelle“ (S. 164). Andere Wissenschaftler kritisieren, dass die zwischen den sportmedizinischen Schulen geführte Diskussion über Schwellenmodelle eindeutig zu Lasten der Athleten gehe (Ferrauti, 2008, S.32). In Verbindung mit neuen Erkenntnissen zum Laktat weiß dann der SPIEGEL zu berichten: „Alles Quatsch, weiß die Wissenschaft heute. Laktattests bringen kaum etwas“. (Mertin, A.: Der Irrglaube vom schädlichen Laktat. SPIEGELonline vom 8.06.2013). Doch geben wir wieder den wirklichen Experten das Wort: Die Tatsache, dass mehr als 30 Jahre Fokus auf unterschiedliche Schwellenkonzepte das diagnostische Potenzial der Laktatleistungskurve möglicherweise nicht wirklich nutzte, ist jedoch kein Argument, laktatgestützte Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung aufzugeben. Sie kennzeichnet vielmehr erheblichen Forschungsbedarf.“ (Heck & Benecke, 2008, S.300) Aus einem halben Jahrhundert Erfahrung mit Stufentests im Schwimmen und dem immer noch anhaltendem „Hick-Hack über den besseren Test“ kann ich mich nur Hecks Empfehlung anschließen (Heck, 1990, S.135), welches Konzept der einzelne Untersucher bevorzugt, hängt vor allem von der Erfahrung ab, die er mit einem Verfahren gewonnen hat.


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