Wirbelsäule

15. August 2017 W 0

Wirbelsäule (WS) (spina column), Grundpfeiler des Stützapparates, der aus 33-34 knöchernen Segmenten (Wirbeln) besteht. Schon die aufrechte Haltung und erst recht sportliche Bewegungen stellen hohe biomechanische Anforderungen an die WS. Dabei muss sie einerseits starr (Haltung, Schutz) und andrerseits beweglich (beugen) sein. Das ist nur durch die physiologischen Schwingungen und eine Verspannung möglich, die oft mit einer Schiffstakelage verglichen wird. Besonders durch die hohen sportlichen Belastungen muss diese „Takelage“ „gepflegt“ werden (Kräftigung der Rumpfmuskulatur), damit der „Mast den Stürmen trotzen kann“.

Beim Schwimmen wird die WB entlastet und gleichzeitig werden zahlreiche Muskelgruppen aktiviert. Deshalb wird Schwimmen bei Haltungsschwächen/-schäden gern empfohlen. Das Sportschwimmen kann aber durchaus die WS übermäßig beanspruchen und schädigen, so z.B. durch die Hyperlordosierung der Lenden- und Halswirbelsäule beim Brust– und Delfinschwimmen. Durch Delfinschwimmen treten Gefügelockerungen im Lendenwirbelsäulen- und Kreuzbeinbereich überdimensional bei jungen Schwimmern im Alter von 10-12 Jahren auf, da der Wachstumsknorpel noch schwach ist. Deshalb ist auch Krafttraining mit größeren Lasten im Stehen und bei gebeugtem Oberkörper zu vermeiden. Bei Gewichtsarbeit ist immer auf eine gestreckte WS zu achten. Oft werden keine Ausgangsuntersuchungen vorgenommen und dadurch können Ansätze zu Schädigungen (→Sportschaden) im orthopädischen Bereich nicht erkannt werden. Weitere Ursachen liegen in der zu zeitigen spezifischen Ausbildung („Schwimmer müssen schwimmen“) und der Ignoranz gegenüber einer vielseitigen Ausbildung junger Schwimmer. Auffallend ist bei vielen Schwimmern die legere Ruhehaltung, die oft mit einer begrenzten Aufrichtbarkeit besonders in der Schultergürtelregion einhergeht. Der Status des Rumpfes ist von ausschlaggebender Bedeutung für den Zustand der WS. Deshalb ist bei Kräftigungsübungen die Ausgangsstellung zu beachten. „Eine frühzeitige präventive Einflussnahme auf den Rumpfstatus und die WS.-schwingung ist auch deshalb empfehlenswert, da das gesamte statische und funktionelle System einer Einheit gleicht, innerhalb derer sich Veränderungen gesetzmäßig auf angrenzende und entfernter liegende Regionen fortpflanzen Damit besteht eine grundsätzliche Möglichkeit der Begrenzung von Fehlbelastungsfolgen auf den gesamten Halte- und Bewegungsapparat“ (Fröhner, 2002, S.92). →Bewegungsapparat, →Rumpfstabilisatoren, →Dysbalancen, muskuläre, →Funktionssyndrom   

Abb.: Bootsmastmodell der Wirbelsäule (aus Wottke, 2004, S.8, genehmigt vom Springer Medizin Verlag GmbH am 15.03.2007)

 „Die Wirbelsäule ist ein Knochen, der den Rücken herunter verläuft. Obendrauf sitzt der Kopf, unten drauf sitze ich.“ (unbekannt) 

Mehr zum Thema: Fröhner, G. (2002). Zustand des Körperbaus und des Halte- und Bewegungssystems bei Nachwuchs- und Hochleistungsschwimmern und trainingsbegleitende Prävention. DSTV-Reihe, Bd. 21, S.79-97


 


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