Zeitbudget

17. August 2017 Z 0

 Zeitbudget (time budget), die Zeit über die jemand verfügt. Zeitbudgetuntersuchungen sind folglich statistische Erhebungen, um den zeitlichen Aufwand zu ermitteln, die Personen oder Gruppen für bestimmte Tätigkeiten und Verrichtungen benötigen. Solche Erhebungen sind ein unverzichtbares Forschungsinstrument zur Beobachtung und Evaluierung zahlreicher sozialer Phänomene und zählen zu den wichtigsten Basisstatistiken über die Arbeits- und Lebensverhältnisse (Merz, 2001). →Sozialpsychologie, →Soziologie

Im Sport werden zwei große Kategorien erfasst, einmal der „Pflichtteil“, wie Schule + Hausaufgaben, Studium oder Beruf und zum anderen die Zeit außerhalb dieses Pflichtteils, die unterteilt wird in Zeit, die mit dem Pflichtteil verbunden ist, aber nicht unmittelbar dazu gehört (→Wegezeiten), Zeit zur Befriedigung notwendiger Bedürfnisse (→Schlaf, Essen, Körperpflege), Zeit für Pflichten in Haushalt und Familie sowie Freizeit, worunter auch Training und Wettkampf fallen. Mit zunehmenden Trainingsumfängen stellt sich im Sport die Frage, ob das „Sport treiben“ (Training und Wettkampf) noch als „arbeitsfreie Zeit“ empfunden wird oder mehr als „Arbeitszeit“ (Schule, Studium, Beruf). Empfindet der Sportler sein Training immer mehr als belastend im Sinne von Gesamtbelastung, dann liegen die Sportler mit einem Anteil von „Arbeitszeit“ (z.B. Schule + Training) weit über der lt. Tarif üblichen Arbeitszeiten (s. Abb.). Im Sinne eines ausgewogenen Verhältnisses von Belastung und Erholung spielt das richtige Verhältnis von „Arbeitszeit“ und „arbeitsfreier Zeit“ eine große Rolle, hier auch bei Details wie Zeit für Schlaf, Freizeit und Wegezeit, die z.B. bei einer Erhöhung auf zwei Trainingseinheiten pro Tag zum limitierenden Faktor werden kann. Mit Zeitbudgetuntersuchungen lässt sich sehr gut die Notwendigkeit der Errichtung von sportbetonten Schulen oder Eliteschulen des Sports begründen. →duale Karriere

Aber nicht nur beim Sportler sind solche Untersuchungen aussagekräftig. Der Trainer benötigt inzwischen einen Großteil seiner Zeit für die Organisation des Trainings- und Wettkampfbetriebes, eigentlich „fremden Arbeitsfeldern“. Andererseits fehlt ihm Zeit für die notwendige Erweiterung seines Wissens. So lebt der Trainer vom „Eingemachten“, hinkt der Zeit hinterher und organisiert den eigenen Misserfolg. →Fachkompetenz

Wöchentlicher Zeitaufwand für Schule und Training nach den Vorgaben der Nachwuchskonzeption des DSV (Rudolph, 2015)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.