Zieltechnik

17. August 2017 Z 0

Zieltechnik (target-technique), „eine an die tatsächlich vorliegenden Personen- und oder Gruppenmerkmale angepasste Form des Technikleitbildes(Neumaier & Krug, 2003, 443). Damit unterscheidet sich die Zieltechnik durch ihren Fokus auf das trainierende Individuum vom Technikleitbild als optimale, personenunabhängige Bewegungsfolge zur Lösung einer sportlichen Aufgabe (Hohmann, et al. 2002). Bei der Ableitung der konkreten Zieltechnik aus dem Technikleitbild sind anthropometrische Merkmale, biologisches und Trainingsalter, konditionelle und koordinative Leistungsvoraussetzungen und Bedingungen des Umfeldes (Wassertemperatur, Beckentiefe usw.) zu beachten. Im Idealzustand müssten technisches Leitbild (Idealtechnik) und Zieltechnik übereinstimmen.

Die Zieltechnik wird im Schwimmen mehr durch Erfahrungen und Eindrücke (Technik erfolgreicher Schwimmer) bestimmt als durch wissenschaftliche Analysen. Die derzeitigen Erkenntnisse bei der Beschreibung von Schwimmtechniken, Starts und Wenden basieren im Wesentlichen auf der Beobachtung der weltbesten Schwimmer. In der sportwissenschaftlichen Literatur existieren zwar vereinzelt quantitativ-biomechanische Analysen, diese beschränken sich allerdings auf Messungen einzelner Körperpunkte, wie z.B. Hand-, Hüft- und Fußgelenke. Ein ganzheitlich valides (gültiges) Technikmodell zu den Schwimmtechniken steht aufgrund messmethodischer Probleme noch aus. Ursache dafür sind die Schwierigkeiten, die von den rotatorischen Gelenkbewegungen (→Rotation) abgeleiteten antreibenden und bremsenden Faktoren hinreichend exakt zu bestimmen. Ein Blick in die derzeitige Weltspitze zeigt, dass die Lösungsmöglichkeiten bei der Realisierung der einzelnen Schwimmtechniken, Starts und Wenden vielfältig sind. Ziel einer Technikbeschreibung unter morphologischen Gesichtspunkten ist das Auffinden übergreifender Aspekte, die dann thematisch in der Grundausbildung, im Grundlagen– und Aufbautraining aufgegriffen werden. Im Anschluss– und Hochleistungstraining sollte dann auf Grundlage einer Stärken- und Schwäche-Analyse die individuell optimale Zieltechnik herausgearbeitet (→Feinkoordination) werden. In diesem Trainingsstadium kann es nach bisherigem Erkenntnisstand nicht eine übergreifende Zieltechnik geben, sondern lediglich eine auf die aktuellen persönlichen Voraussetzungen abgestimmte Technikvariante (→Stil).  Das ändert aber nichts daran, dass der Trainer in den Feldern  „motorisches Lernen“ und  „Biomechanik“ zuhause sein muss, denn erst dann kann er experimentieren und neue Technikvarianten erschließen oder erklären, was dem Sportler oft gefühlsmäßig gelingt. →Techniktraining

 


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